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Dienstag, 30. August 2011

日本語字幕つきドイツZDFの福島原発事故報道 - Infos zu Fukushima auf ZDF

Hier ein Beitrag im üblichen Stil von Frontal 21 (ZDF), japanisch untertitelt, der auch in deutschen Japanologenforen gerade sehr stark diskutiert wird. Die Sprache ist reißerisch, läßt aber keinen Zweifel über die schwere Lage vor Ort.


Montag, 1. August 2011

Professor Kodama Tatsuhiko zur aktuellen Lage nach Fukushima

Hier ein sehr interessanter und aufwühlender Beitrag: Professor Kodama Tatsuhiko von der Tôdai hat am 27.07.2011 vor der Kommission für Gesundheit und Arbeit des japanischen Unterhauses ausgesagt zu der Lage im Nordosten Japans. Seine Rede, die äußerst kritisch gegenüber dem Parlament und der Regierung war, verschwand für einige Tage auf youtube, wurde aber jetzt wieder neu hochgeladen. Hier die Rede mit englischen Untertiteln (bitte "cc" drücken im player), entnommen von folgendem blogspot: EX-SKF.






Freitag, 24. Juni 2011

Der Sozialphilosoph Mishima Kenichi zur Lage in Japan

Hier wieder ein sehr interessantes und kritisches Interview mit dem Sozialphilosophen Mishima Kenichi in der Welt:

Hundert Tage nach Fukushima: Der Philosoph Kenichi Mishima erklärt Regierungsterror, Besserwisserei, Resignation - und warum japanische Angst anders ist als deutsche

Wir treffen uns in einem Hotelcafé im Tokioter Stadtteil Shibuya und erkennen einander, ohne uns je begegnet zu sein. Kenichi Mishimas Bescheidenheit kann verlegen machen. Der japanische Sozialphilosoph und Übersetzer von Adorno, Gadamer, Habermas ist nie zufrieden mit sich - noch nicht einmal mit seinem gepflegten Deutsch. Als er die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin entgegennahm, hielt er "Eine unbeholfene Dankesrede". Knapp einen Monat vor Beben, Tsunami und Kernschmelze in Fukushima sprach Mishima den seherischen Satz über die Anti-Atomkraft-Bewegung in Japan: "Von unseren zuständigen Behörden stets als Protest aus Unwissen abgetan, haben sich die laienhaften Sorgen immer wieder - natürlich nicht immer - als korrekter erwiesen." Als Mishima diese Stelle erwähnt, scheint der Achtundsechzigjährige für einen Augenblick zufrieden mit sich.

Die WELT: Auf einer Reise durch die zerstörte Küstenregion fiel uns auf, dass die Menschen zwar Vertrauen in sich haben, sich aber von Verwaltung und Politik wenig erhoffen. Das wurde fast ohne jeden Vorwurf geäußert. Was ist Ihre Erklärung?

Kenishi Michima: Das war immer die Mentalität der Menschen auf dem Land und in den unteren Schichten: Sie erwarten nichts vom Staat. Sie glauben oft mit Recht, dass sich letzten Endes der Staat um sie nicht kümmern wird. Eine gewisse Resignation spielt eine Rolle. Und: Vor dem Beben waren sie selber Klientel für die Politik. Sie haben ihre Abgeordneten dazu gebracht, in jedem kleinen Küstenort einen gut ausgebauten Hafen zu finanzieren, was totale Geldverschwendung war. Die Menschen dort sind zwar gutmütig, tapfer und erfindungsreich, sie haben Phantasie. Aber als Sozialphilosoph muss ich schon sehen, wie sehr sie in Strukturen eingebunden sind, die sie selber stützen, die sie aber auch fesseln.

Die WELT: Die Evakuierten von Fukushima, die dreifach getroffen wurden von Beben, Tsunami und Radioaktivität, empfinden Zorn und Verbitterung: Ihr größtes Elend ist, wenigstens zum Teil, vom Menschen gemacht. In den übrigen Küstenregionen haben wir die Gefasstheit angesichts eines göttlichen Schicksalsschlags gespürt.

Kenishi Michima: Beben und Tsunami haben sich ja beinahe alle fünfzig Jahre wiederholt, zuletzt beim Großen Sanriku-Beben von 1933. Natürlich kann man beklagen, dass nach 1933 alles städtebaulich schlecht geplant wieder aufgebaut wurde. Wieder wurden Dörfer direkt am Meer angesiedelt. Aber es gab damals nicht so viele Transportmittel und für die Fischer war es angenehmer, direkt am Strand zu wohnen. Eine gewisse Schicksalsergebenheit ist da. Man wusste, dass ein großes Erdbeben kommt, trotzdem blieben sie dort, wo Generationen vor ihnen schon mit demselben Wissen geblieben waren. Im Nachhinein sind wir alle klüger.

Die WELT: Immerhin wurden Japans Streitkräfte viel schneller mobilisiert als nach dem Erdbeben von Kobe 1995. Damals kostete das Zögern über Tage wohl hunderten, vielleicht tausenden Verschütteten das Leben. Es heißt, auch weil das Ressentiment gegen Japans Soldaten so stark war.

Kenishi Michima: Ja, man muss Premierminister Naoto Kan, den viel kritisierten, dafür loben, dass er rasch den Einsatz befahl. Innerhalb von einem Tag wurde 30,000 Man mobilisiert Die Zahl wurde rasch auf 100.000 Mann angehoben. Das war eine schnelle und effektive Entscheidung. Die traditionelle Antipathie gegen das Militär hat diesmal nicht gewirkt. Doch dieses Verdienst von Kan ist schnell vergessen worden. Kan wird jetzt im Zuge vom parteipolitischen Gerangel immer mehr kritisiert für sein angeblich schlechtes Krisenmanagement. Und dann hat die Opposition, unterstützt von der Anti-Kann-Gruppe innerhalb der Regierungspartei noch ein Misstrauensvotum eingereicht, das dann gescheitert ist. So etwas ist verrückt. Die Parteien hätten eigentlich eine Art Waffenstillstand vereinbaren sollen. Am Anfang sah es so aus. Aber nach ein paar Tagen brachen die gewohnten Zwistigkeiten, Egoismen und all das eitle Gezänk wieder durch. Warum? Weil sich jede Partei von den Pfründen der Ausgaben für Wiederaufbauarbeit profitieren möchte. Seit dem 11. März ist kein einziges Gesetzeswerk für den Wiederaufbau im Parlament durchgekommen, weil im Oberhaus die Opposition alles blockiert. Sie möchte mit dieser Methode Neuwahlen erzwingen und an die Macht kommen. Zugleich kann es sich die Regierungspartei nicht erlauben, die Opposition wegen ihrer bisherigen Atompolitik zu kritisieren, aus Furcht vor der weiteren Blockade durch Opposition. Die Nation hat diese Politik satt.

Die WELT: Anders als bei der Krisenhilfe der Amerikaner war die Hilfe der Deutschen eine zwiespältige Sache: Die Phase des Mitleids war kurz, jene der Besserwisserei - "Wie kann man AKWs an die Küste bauen?" - länger. Schnell ging es nur noch um die Atomausstieg-Kontroverse in Deutschland selbst.

Kenishi Michima: Es fiel ja in die Zeit vor zwei Landtagswahlen. Was mich schockierte war die von deutschen Freunden und Journalisten oft an mich gestellte Frage: "Warum verlassen Sie Japan nicht?". Es findet hier schließlich kein Krieg statt. Japan ist nicht Libyen. Unsere Regierung lässt nicht auf das eigene Volk schießen. Was jedoch bei uns passiert, ist ein struktureller Terror gegen das Volk, ein Regierungsterror, der, mit dem raschen Modernisierungsprozess verbunden, hier eine lange Geschichte hat.

Die WELT: Aber wenn man hört, dass Menschen aus Fukushima hoffen, sie könnten bald wieder heimkehren, fehlt da nicht ein wenig Angst, von der Deutschland zu viel hat?

Kenishi Michima: Es gibt in Japan nationale Fiktionen, an die sich vor allem die Staatstragenden klammern, zum Beispiel den territorialen Besitzanspruch auf die Südkurilen-Inselkette. Wir werden diese Inseln nie zurückbekommen, aber man darf nicht die Wahrheit sagen, man muss an diese Fiktion glauben. Ebenso wird jetzt an dem Mythos festgehalten, dass die von der Kernschmelze in Fukushima Vertriebenen im nächsten Jahr zurückkehren können. Als ein Berater des Premierministers aus Versehen preisgab, Naoto Kan habe gesagt, die Gegend werde auf 300 Jahre unbewohnbar sein, wurde der Berater massiv kritisiert und musste gehen. Dabei bin ich sicher, dass Kan genau das im internen Gespräch gesagt hat. Denn es ist die Wahrheit: Auf lange Zeit wird die Gegend unbewohnbar bleiben, sie ist verloren, aufgegeben, am Ende. Mindestens die Gegend im Radius von 30 Kilometer um die Reaktoren ist verloren. Man muss der Wahrheit ins Auge sehen, um ein politisches Konzept zu entwickeln. Das scheuen unsere Politiker. Angst ist bei uns anders entwickelt als in Deutschland. In Deutschland wird mit logischer Zuspitzung Angst erzeugt. In Japan herrscht die Angst im Angesicht der nackten Realität vor, oder besser: die Angst davor, die Realität einzugestehen.

Die WELT: Es gibt Berichte, dass Evakuierten aus Fukushima - vor allem Kindern - anderswo in Japan mit Aberglauben und Hänselei begegnet wird. Das erinnert an die langjährige Diskriminierung der "hibakusha", der Strahlenopfer von Hiroshima und Nagasaki.

Kenishi Michima: Ich glaube nicht, dass Aberglaube hier wirkt oder dass der Vergleich mit "hibakusha" schon angemessen wäre. Zur Zeit überwiegt Solidarität mit den Opfern eindeutig. Vielleicht wird es mit der Diskriminierung in zehn Jahren virulent, wenn es etwa Krebserkrankungen in Familien aus Fukushima geben sollte. Dann kann es Probleme geben, richtige Diskriminierungen etwa bei Heiratswünschen. Die Japaner sind, trotz der Homogenitätsthese Meister der Diskriminierung und Distinktionen.

Die WELT: Es hat viel Lob und Bewunderung im Ausland gegeben für "das starke Volk" der Japaner nach dem Beben und dem Tsunami.

Kenishi Michima: Das ist lächerlich.

Die WELT: Ich gebe zu, dass ich selbst sehr bewegt war von der Gefasstheit und Würde der Opfer.

Kenishi Michima: Ich kann die Rezeption im Ausland bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Man muss aber die Wahrnehmung differenzieren. Am Anfang ist der Schock groß, wenn man Angehörige verliert, das Haus, den ganzen Besitz. Menschen sind gelähmt. Das wurde oft als Gefasstheit wahrgenommen. Und dann mussten sie in der Not Schlange stehen, wo es Wasser oder etwas zu Essen gab. Diese vom Schock gelähmte Stille, die kaum nach außen Gefühle verrät, gibt es überall in Krisenregionen, das ist keine japanische Eigenart. So wie es bei uns auch sehr wohl Plünderungen gab. In den Zeitungen wird nicht viel davon geschrieben. Diese 24-Stunden-Läden waren sowieso beschädigt, und dann gingen die Leute hinein und bedienten sich. Verglichen mit Krisen in armen Ländern muss man fairerweise aber auch sagen: gerade in den ersten Tagen nach Beben und Tsunami wussten die Menschen, die beinahe am Verhungern waren, dass die Hilfe irgendwann kommen würde. Das trug auch zu diesem Erscheinungsbild der Gefasstheit bei. Wenn die Menschen nicht sicher gewesen wären, dass das Essen sie erreichen würde, dass man nur diese Nacht durchstehen müsse, hätte doch die Verzweiflung um sich gegriffen.

Die WELT: Welche Art von Unterstützung würden Sie, der Deutschlandkenner, sich von den Deutschen erhoffen?

Kenishi Michima: Was mich nachdenklich stimmt, ist, wie relativ spät Spendenaktionen für Japan in Gang kamen. Man meinte wohl zum einen, Japan sei eben ein reiches Land, was auch stimmt. Doch Spenden über das Rote Kreuz kommen am Ende in die Hände der Betroffenen, nicht der Regierung. Die muss sich um Infrastukturschäden kümmern. Die private Not wird von privaten Spenden gelindert. Zum anderen starrten die Deutschen nach wenigen Stunden nur noch auf Fukushima. Die Opfer des Tsunami gerieten in den Hintergrund.

Die WELT: Sie haben jüngst in einem Aufsatz vor der Ausbeutung des Bebens durch populistische Politiker gewarnt. Wie würde diese Ausbeutung aussehen?

Kenishi Michima: Etwa durch die Verbreitung dieses Mythos', die Japaner seien stets eins und einig als Volk. Das stimmt ja nicht. Jeder vertritt die Interessen seiner Berufsgruppe wie in jeder modernen Gesellschaft. Um davon abzulenken und Debatten zu ersticken, wird die Parole verbreitet, wir seien so einmütig. Gestünde man ein, dass wir in Japan Interessenkonflikte haben wie überall sonst, müsste alles öffentlich und offen diskutiert werden. Das wollen unsere Parteien nicht. Viele Konflikte werden hinter verschlossenen Türen als deals unter den Bossen geregelt. Keiner ist bereit, große politische Themen in angemessener Form und im Interesse der Allgemeinheit und des Gemeinwohls zu diskutieren.

Die WELT: Wenn man mit Menschen in der Krisenregion spricht, hat man schon das Gefühl, dass sie entschlossen und auch bereit dazu sind, an das Gemeinwohl zu denken.

Kenishi Michima: Gewiss, aber nur in ihrem kleinen Kreis, innerhalb Ihres konkreten Alltagshorizonts. Wenn es um größere Debatten geht, beispielsweise um Progressivität vom Steuersatz, werden die Leute stur sein wie immer - wie Tepco selbst. Bei allem Erfindungsreichtum und aller Phantasie in der Not, die die Menschen zeigen, auf mittlere Sicht bin ich relativ skeptisch. Auch im Parlament sind Regierungspartei und Opposition nicht einig, nicht einmal über ein Gesetz zum Wiederaufbau. Es ist ein Nachtragshaushalt, durchgekommen mehr nicht. Sie haben irgendwo in der "Welt" geschrieben, dass die Politik in Japan schlimm sei - was auch stimmt - und dass sie das Volk unter Wert vertritt. Und dass die Leute von Tohoku mehr Phantasie und Stehvermögen und Geduld hätten. Auch das stimmt. Dabei hat vor ein paar Tagen ein Kabinettsminister gesagt - er ist Katholik und eng mit dem AKW-Betreiber Tepco verbunden -, er sehe im Geschehen in den Atommeilern vom 11. März "die Hand Gottes" am Werke. Niemand hat ihn dafür öffentlich kritisiert. In Deutschland müsste ein Politiker, der so etwas sagt, gehen. Oder nicht?

Die WELT: Ich hoffe, Sie haben Recht! Wenn wir in einem Jahr hier wieder zusammenkommen, was glauben Sie, was erhoffen Sie, wie wird dann der Stand der Dinge sein?

Kenishi Michima: Ich gebe nie Prognosen ab. Nennen wir es theoretische Möglichkeiten. Alles hängt davon ab, ob das AKW Fukushima planmäßig unter Kontrolle gebracht wird oder nicht. Wenn es unter Kontrolle ist, wird es business as usual sein. Die Öffentlichkeit in Japan ist vergesslich. Tepco und andere würden versuchen, wenigstens die AKWs zu Ende zu bauen, die lange geplant sind, oder die wegen Wartung vorübergehend vom Netz genommenen wieder in Betrieb zu nehmen. Wenn das Problem in Fukushima nicht gelöst ist, wird die Diskussion über den Ausstieg ziemlich intensiv sein. Aber Anti-Ausstieg-Diskurse, die schon kaum merklich angefangen haben, werden ihre Einflussnahme auf das Denken mit einem gewissen Erfolg fortsetzen.

Die WELT: Werden sich Japans Intellektuelle und Wissenschaftler in den Dienst des Wiederaufbaus stellen, etwa als Berater des Premierministers?

Kenishi Michima: Intellektuelle haben hier nicht viel Einfluss. Ich bin da skeptisch. Ein Leitartikler 1in einer Zeitung hat mehr Einfluss.

Die WELT: Die Macht der Bürokratie entfaltet sich selbst in den Evakuierungszentren. Man hat uns in zwei Zentren den Zutritt verweigert mit der Begründung, die Menschen wünschten keine Reporter zu sehen - doch gefragt hatte man sie nicht. Ist das nicht undemokratisch, entmündigend und anmaßend?

Kenishi Michima: Ja, das ist Paternalismus. In dieser Hinsicht ist Japan kein voll demokratisches Land, die politische Kultur ist noch schwach entwickelt. Alles wird auf Macht- und Zahlenverhältnisse reduziert. Darüber hinaus ist es eine Männerwelt. Und zum anderen sind diejenigen, die einen heißen Draht nach oben haben, stolz darauf und entmündigen die Menschen, die unter ihrem Schutz stehen. Andererseits muss man auch sehen, dass hinter oder unter diesen autoritären Strukturen viele phantasievolle zivilgesellschaftliche Zusammenschlüsse und Aktivitäten praktiziert werden. Nicht unbedingt als Widerstand gegen die Bürokratien, sondern in Gestalt selbstständiger, autonome Gruppen, die, zwar schwach organisiert, aber umso flexibler sind. Das beginnt bei dorfgemeinschaftlichem Helfen und geht bis zu NGOs.

Die WELT: Aber warum werden Medien ausgesperrt?

Kenishi Michima: Die Verantwortlichen wollen natürlich nicht, dass etwas ihrer Kontrolle entzogen wird. Dieser Paternalismus zeigt Reste der Vorkriegszeit, das Herabregieren vom Kaiser aus bis auf die unterste Ebene seiner Untertanen. Die Herrschaftsstrukturen der Meiji-Zeit haben zum Teil die Reform der Nachkriegszeit überlebt. Wir wissen, dass diese Mentalität langlebig ist. Der Politologe Masao Maruyama hat stets darauf hingewiesen ("Denken in Japan", Suhrkamp, Anm. d. Red.). Verantwortung geht zusammen mit Verboten. Die Leitung der Notunterkunft will nicht, dass Unangenehmes gesagt wird. Oft ist das gut gemeint, es sind gebildete Leute, die das tun. Aber sie sagen: Was ihr braucht, wissen wir besser. Fest steht für mich: solange sich an diesen Mythen und dem Paternalismus, der sie befördert, nichts ändert, werden japanische Behörden, japanische Ministerien in allen großen Notlagen so handeln, wie wir es jetzt erleben. Die sprichwörtlich gewordene Gefasstheit kann auf manche Ausländer, die das alte Japan romantisieren - Teezeremonien etwa -, aber uns bringt das nicht weiter. Gerade die Beschwörung der Samurai-Tradition ist nicht totzukriegen, leider auch in Japan selbst nicht.

Kenishi Michima: Der Leiter des AKWs in Fukushima, Yoshida, der offenbar technisch sehr viel kann und keine Anweisung vonseiten der Tepco-Zentrale abwartete, als er begann, mit Seewasser notzukühlen, wurde in japanischen Medien mit dem Herrn eines belagerten Schlosses verglichen: Er geht in den Flammen der Belagerer unter. Das sind heroisierende Metaphern aus dem 13. und 14. Jahrhundert, die nur vom Eigentlichen ablenken.

Die WELT: Helden in Japan scheinen scheitern und sterben zu müssen, um sich das Prädikat zu verdienen.

Kenishi Michima: Das ist wahr. Yoshida ist unser Michael Kohlhass. Was aber unser Kohlhaas fordert, ist nicht das Recht, das geschehen sollte, auch wenn die Welt untergeht. Sondern dass das Volk seine Aufopferung, seine Hingabe anerkennt.



Donnerstag, 28. April 2011

Mittwoch, 20. April 2011

Mittwoch, 6. April 2011

Arbeiten am AKW Fukushima

Die Einleitung von Stickstoff in einen der Reaktoren AKW Fukushima Daiichi hat begonnnen. Damit sollen mögliche Wasserstoffexplosionen verhindert werden:


Ebenso wurde erneut Spuren von Plutonium im Boden um das AKW herum gefunden:


Und was geschieht damit in den deutschen Medien? Der Wahlkampf ist vorbei, das Interesse abgeflacht, Lybien und Côte d'Ivoire bringen mehr Schlagzeilen. Man muß schon direkt nach News Updates suchen, um sie zu finden. Wo sind internationale Reaktionen?

Sonntag, 3. April 2011

Literaturnobelpreisträger Ôe Kenzaburô zur Lage in Japan

Danke für die Weiterleitung, Markus.

Literaturnobelpreisträger Ôe Kenzaburô hat gerade der TAZ ein Interview zur Lage in Japan gegeben:

Samstag, 2. April 2011

Benefiz-Kirtan für Japan im Yoga-Zentrum Heidelberg チャリティ・キルタン@ハイデルベルクのヨーガセンター






















































Das heutige Benefiz-Kirtan von Jahnava, Gauranga und René im Yoga-Zentrum Heidelberg war ein voller Erfolg. Mehr als 2 Stunden Kirtan + ein 15minütiger Vortrag von mir zur Notlage in Japan hatten insgesamt 447,02 Euro (= 53.487 Yen) eingebracht, die am Montag betterplace.org gestiftet werden. Danke Euch allen für euer metta und eure Energie. Danke, Tom und Yasemin, daß Ihr uns die Möglichkeit für diesen Kirtan gegeben habt.

本日ハイデルベルクのヨーガセンターでにてジャーナヴァ、ガウランガ、レネーと私が東北大震災の被災者の為のチャリティ・キルタンを行いました。皆様のお陰で、53487円(447,02 ユーロ)の寄付金を頂戴いたしました。心より感謝いたします。月曜日にbetterplace.orgに振り込みます。主催者のトムとヤゼミン様、本当にありがとうございました。

Freitag, 1. April 2011

Update der IAEA 31.03.2011

Und hier das update zur Lage in Fukushima seitens der IAEA vom 31.03.2011. Demnach ist die Lage im AKW Fukushima unverändert kritisch, wobei die Lage sich im Bereich der Trinkwasserkontaminierung wohl beruhigt haben soll.

Aussage Eiichi Kidos zur Lage der Atompolitik an Japan

Hier ein interessanter Artikel von Eiichi Kido, Politologe an der Universität Ôsaka, zur Lage der Atompolitik an Japan:

Lebensmittelnotstand in Minami-Sôma

Meinen Dank an Karen.

Minami-Sôma ist eine kleine Stadt von ursprünglich 70.000 Einwohnern an der Nordostküste Japans, die vom Tsunami des 11.3. schwer getroffen wurde. Minami-Sôma war früher vor allen Dingen für sein historisches Festival berühmt. Nun herrscht dort auch Lebensmittelknappheit für die verbleibenden 20.000 Einwohner, da sie zu nah an der Sperrzone des AKW Fukushima liegen. Diese Stadt darf nicht vergessen werden.




Mittwoch, 30. März 2011

High radiation levels found in seawater near Fukushima plant

Sehr interessant in diesem Artikel ist wohl die Aussage eines Sprechers der Japanischen Nuklear- und Industriesicherheitsbehörde:


"I do not believe there's an immediate threat to fishery products, as no fishing is being conducted within 20 kilometers (12 miles) of the nuclear power plant," said Hidehiko Nishiyama of the agency.

Man muß sich hier schon die Frage stellen, ob all der betäubenden Beruhigung, die von diesem Satz ausgeht, Herr Nishiyama jemals den Begriff "Nahrungskette" gehört hat.



Dienstag, 29. März 2011

Update zu AKW Fukushima

Hier ein update zum AKW Fukushima auf CNN Online: Es sind Spuren von Plutonium im Boden um die AKWs herum gefunden worden (Proben vor einer Woche entnommen). Lediglich Reaktor 3 verfügt über ein Gemisch aus Uran und Plutonium. TEPCO sagt, die Strahlenwerte seien unbedenklich und kann dazu nicht bestätigen, woher das Plutonium kommt. Ebenso wurde radioaktiv verseuchtes Wasser in der Turbine von AKW-Block 2 sowie in Röhren gefunden, die Stromkabel zum Block führen.




Reaktion von Greenpeace in Japan

Greenpeace Japan hat eine Unterschriftenaktion gestartet, die direkt an den Regierungssprecher Edano gerichtet ist. Darin wird der Stopp neuer AKWs sowie die Förderung alternativer Energien gefordert:


Außerdem gibt es ein badge gegen eine Spende mit dem Aufdruck 「でんきをえらぶ、選挙でえらぶ」(etwa: "Wähle deinen Strom, in der nächsten Wahl").

Greenpeace Japan Badge (Ecke rechts oben)

Sonntag, 27. März 2011

Update zu vorherigem blog

Update: 27.03.2011, 17:47, Reuters hat den im vorherigen blog genannten Link gerade inhaltlich revidiert.

Der vorherige Artikel hatte ziemlich deutliche Aussagen zum Anstieg der Radioaktivität in Block 2. TEPCO hat dies gerade als "Falschmessung" dementiert. Da stellen sich 2 Fragen:

a) Ist TEPCO zu trauen?

b) Warum läßt Reuters den alten Artikel nicht stehen und dementiert die Aussagen in einem Folgeartikel. Ist der Presse überhaupt noch zu trauen oder ist sie mittlerweile auch ein Mündel der Atomlobby?

Anstieg der Radioaktivität in Block 2 von Fukushima?

Update: 27.03.2011, 17:47, Reuters hat unten genannten Link gerade inhaltlich revidiert.


Laut reuters.com ist die Radioaktivität des Wassers in Block 2 auf über 1000 Millisievert / h gestiegen. Der japanische Jahresrichtwert liegt bei 250 Millisievert. In Tokyo scheint es Proteste zu geben, was durchaus eine Seltenheit ist:


Kyodo bestätigt auch, daß die radioaktive Belastung auf über 1000 Millisievert gestiegen ist:


Ich habe bisher keine Gegenbestätigung zu den Protesten in Tokyo auf japanischen Nachrichtenportalen.

TEPCO räumt, wie des öfteren bereits, Zweifel an diesen Lesungen ein:

"Plant operator Tokyo Electric Power Co. later said the extremely high radioactivity readings might have been wrong, adding the levels were being re-checked."

Samstag, 26. März 2011

Journalist Wall of Shame

Auf JPquake wurde eine Journalist Wall of Shame eingerichtet bezüglich der ausländischen Berichterstattung zur Erdbebenkatastrophe in Japan. Und das in Zeiten, in denen Jodtabletten in Deutschland bereits ausverkauft sind, die Umsätze der Suhi-Restaurants zurückgehen und die Kanzlerette Quantensprünge wegen der morgigen Wahl macht.

Das Verhalten in der Not

Mittlerweile tut sich sogar der Stern als kultureller Erklärer hervor. Anhand von Minamoto no Yoshitsune und kamikaze wird versucht, die "Ruhe" und "Gelassenheit" "der Japaner" zu erklären:



Da freut man sich als Japanologe dann doch über gut recherchierte Artikel wie diesen:

FR Online


—-- Artikel wurde erstellt auf meinem iPad

Position:Friedrichsring,Mannheim,Deutschland

Donnerstag, 24. März 2011

Journalismusgurke

Nach der unschönen Berichterstattung Hetkämpers in der ARD wird es nun noch bunter, was die "Phantomschmerzen" Europas bezüglich der AKW-Lage in Japan anbelangt:

Update zur Lage in Fukushima

Nachdem in den letzten Tagen sich die Nachrichten teils widersprachen, bzw. keine Daten herausgegeben wurden, hier zwei interessante Kommentare zum Geschehen: