Ich habe den gesamten Tag auf Wanderung verbracht auf dem Hieizan 比叡山 und am Ishiyamadera 石山寺. Nachdem gerade die Regenzeit beginnt, haben die Fotos einen recht morbiden touch. Es ist schwer mit Worten auszudrücken, wie mystisch der heilige Berg im Halbdunkel mit Dauerregen wirkt. Auch der Moosgarten des Ishiyamadera wirkte entrückt. Das ist übrigens der Ort, an dem Murasaki Shikibu Teile des "Genji monogatari" schrieb.
Wir waren abenteuerlustig: Man schnappe sich irgendeine Broschüre im Kyotoer Hauptbahnhof und fahre drauf los ins Nichts, wo wohl seit 150 Jahren keine Ausländer mehr waren. Auf jeden Fall hatte eine Frau beinahe einen Autounfall in Yûhigaura 夕日ヶ浦 auf der Tango-Halbinsel 丹後半島 gebaut, als sie uns drei sah...
Ich hatte endlich die Zeit, mir die noch fehlende dritte der Schönsten Landschaften Japans anzuschauen, eine enge Landbrücke namens "Amanohashidate" nördlich von Kyôto. Angeblich soll dies genau die Brücke sein, von der aus das Urgötterpaar Izanagi und Izanagi aus den großen Speer in das Meer rammten und somit das japanische Archipel schufen.
Wie schon gesagt, in Kyôto war Feststimmung wegen des Thronjubiläums des Kaisers. Hier Fotos von O-hitakisai 御火焚祭 einer Feueropferzeremonie am Fushimi Inari Taisha 伏見稲荷大社 und einen nächtlichen Blick in das wunderschöne Shôren'in 青蓮院, dessen Garten voll erleuchtet war.
Und noch ein paar Eindrücke aus der Sonderöffnung des alten Kaiserpalastes (Go-sho 御所) in Kyôto 京都. Das kaiserliche Palastorchester hatte bugaku 舞楽 gespielt. Ich hatte noch nie vorher soviele Menschen auf einem Fleck gesehen. Hatte einen minutenlangen Kampf mit einer Provinzschrulle aus Hinter-Kyoto, die sich immer vor mich drängeln wollte. Ich benutzte ihre Schulter dann als Stativersatz und sie kapitulierte zeternd.